Kürzlich gelesen!

Barbara Krasemann: Der Gourmet Garten.

18. März 2016

Schon lange weiß ich, warum ich Bohnen, Tomaten, Spitzkohl und vieles andere aus dem Garten weitaus leckerer finde, als vom Supermarkt. Nicht auf optimalen Ertrag, sondern Aroma getrimmte Sorten, zudem frisch geerntet, bedeuten einen Hochgenuss für den Gaumen. Heutzutage werden nur noch die wenigsten Menschen einen Küchengarten pflegen, um damit Kosten für Lebensmittel zu sparen. Die meisten haben vielmehr Spaß daran, Dinge auf den Teller zu bringen, die man so nicht einfach kaufen.

Das Buch „Der Gourmet-Garten“ eröffnet über die mir bereits bekannten Gartengenüsse ein weites Feld an Anregungen, was alles aus dem Garten auf den Teller wandern kann. Ein umfangreicher Teil des Buches befasst sich mit Blüten und Blättern von Pflanzen, die uns gemeinhin nicht in erster Linie als Nahrungspflanzen bekannt sind – wie beim Rezept für ein „Mädesüßblüten-Lassi“ oder für pikant gefüllte Löwenmäulchen, Bachbunge-Maibeeren-Salat oder Pilzpfanne mit Taglilienwurzeln.

Phantasievoll und kreativ schlägt die Autorin aber auch ungewohnte Zubereitungsweisen von bekannteren Gartengemüsen wie Gelber Bete mit Ziegenkäsecreme, Wirsingknödeln und Mangold-Blätterteig-Taschen vor. Die Rezepte werden begleitet von knappen Kulturhinweisen und grundsätzliche Infos über die Verwendung in der Küche, so dass Abwandlungen und eigene Kreationen einfach möglich sind.

Die Fotos von den Zutaten ebenso wie von den fertigen Gerichten sind ansprechend und appetitanregend – insgesamt ist das Buch sehr inspirierend und macht Lust darauf, mehr Experimente in der Gartenküche zu wagen.

Soweit, so empfehlenswert. Nun kommt aber auch noch eine kritische Anmerkung: Das Layout mit sehr massiver, oft fetter und immer wieder auch über lange Zeilen unterstrichener schwarzer Schrift passt in meinen Augen so gar nicht zu den eher zarten und nur selten deftigen Genüssen und stört den ansonsten harmonischen Eindruck. Schade.

Barbara Krasemann: Der Gourmet Garten. Kosmos Verlag 2016, ISBN: 978-3-440-15070-2 , 144 Seiten, 20,- Euro

Krautkopf – Vegetarisch kochen und genießen

von Susanne Probst und Yannic Schon

4. November 2015

Vegetarische Kochbücher gibt es viele. Dieses hier ist mir aufgefallen, denn es ist viel mehr als nur ein Kochbuch. Die beiden Autoren und Fotografen beschränken sich nicht das typische Duo von Foodfoto und dazugehörigem Rezepttext, sondern entführen den Leser in Küche, Haus und Garten und an den gedeckten Tisch, wo mit Freunden gemeinsam die zubereiteten Speisen verzehrt werden. Das wäre nicht halb so hinreißend, wenn die beiden nicht hervorragend fotografieren würden. Die allermeisten Fotos haben große sinnliche Kraft und erzählen den Traum junger Großstädter von einem einfachen guten Leben – auf den übrigens auch die Zeitschrift „Landlust“ ihren Erfolg gründet.

Für die Autoren gehört zum guten Leben unbedingt ein handgemachtes Essen aus möglichst naturbelassenen Zutaten hinzu. Industriell hoch verarbeitete Lebensmittel, wie sie in der veganen Küche häufiger zum Einsatz kommen, wandern bei Susann Probst und Yannic Schon konsequenterweise nicht in den Kochtopf. Stattdessen gibt es einige Grundrezepte für Basics wie Mandelmilch, Gemüsebrühe oder Currypaste aus eigener Herstellung, die bei vielen Zubereitungsweisen zum Einsatz kommen.

Die Rezepte sind überwiegend saisonal, vielseitig und etwa zur Hälfte vegan. Doch stellen die Autoren klar, dass es Gerichte gibt, bei denen sich Milchprodukte oder Eier nicht einfach ersetzen lassen. Dogmatismus hat hier keinen Platz. Wohl aber eine große Experimentierfreude. Die beiden Köche nehmen viele Anleihen aus der ostasiatischen, indischen und maritimen Küche und scheuen sich nicht, buntes Crossover zu kreieren Zu fast jedem Rezept gibt es ein paar persönliche einleitende Worte. Darin erzählen die Autoren von eigenen Erfahrungen und Vorlieben, Tricks und Kniffen bei der Zubereitung aber auch Variations- und Änderungsmöglichkeiten. Ganz klar, auch hier gibt es keine Strenge, sondern ein Rezept ist eher ein Vorschlag, der nach eigenem Gusto weiter entwickelt werden kann.

Ich mag solche Art Kochbücher, weil ich mir allzu feste Knebel beim Kochen nicht anlegen mag: Manche Zutaten habe ich nicht im Haus oder bekomme ich nicht zu kaufen, manche mag ich vielleicht auch gar nicht gerne essen. Hier fühle ich mich inspiriert, aber nicht allzu fest an die Hand genommen.

Fazit: Ein schönes Buch, das sich auch gut als Weihnachtsgeschenk für jemanden eignet, der nicht nur Kochen will, sondern Spaß am Schmökern hat.

Susanne Probst, Yannic Schon: "Krautkopf – Vegetarisch kochen und genießen", Hölker Verlag, ISBN: 978-3-88117-955-3, 29,95 €

Der Garten meines Lebens

von Ulla Lachauer

17. April 2015

Ulla Lachauer schätze ich schon lange als Autorin von Büchern zu historischen bzw. zeitgeschichtlichen Themen. Dabei hat sie sich ihre Themen häufig sehr einfühlsam über die Biografien von Betroffenen erschlossen.

Von daher war ich sehr neugierig auf das neue Buch „Der Garten meines Lebens“, das von der südwestdeutschen Bäuerin Agnes Sester und ihrem Garten erzählt. Gelesen habe ich dieses Buch dann mehr oder weniger in einem Rutsch und mit viel Freude. Die Wechselbeziehung des Bäuerinnen-Gärtnerinnenlebens mit der Zeitgeschichte war für mich ausgesprochen spannend und immer sehr nachvollziehbar dargestellt. Es wird ganz deutlich, dass auch solche Lebensbereiche, die man gemeinhin als unberührt von der „großen Politik“ und Geschichte dünkt - wie z.B. der Garten - doch auch davon berührt und geprägt werden.

Agnes Sester erscheint als eine pragmatische Frau mit einem großen Herzen, die mit Gottvertrauen und einer gesunden Portion Humor auch schwierige Lebensphasen gemeistert hat. Die Freude an ihrem Garten hat sicher ebenso dabei geholfen wie der starke familiäre Rückhalt, den sie erfahren hat. Die steten Anforderungen, die Hof und Garten bringen, erlaubten es erst gar nicht, in Krisenzeiten großartig zu grübeln – es musste schließlich irgendwie weiter gehen. Und zumindest bei Agnes Sester sind es eben die kleinen und alltäglichen Gegebenheiten, die in der Summe darüber entscheiden, ob ein Leben zufrieden verläuft. Diese Frau hat einen großen Sinn für kleine Freuden entwickelt – und sei es nur der Genuss von einem Tässchen Kaffee in der Gartenlaube oder die kurze Beobachtung einer spielenden Katze oder eines anderen Tieres, eine frisch aufgegangene Blüte oder der Duft von Kräutern in der Sommersonne.

Der Fotografin Bigi Möhrle ist es mit ihren unprätentiösen Aufnahmen gelungen, die Lebenswelt auf dem Sesterhof atmosphärisch dicht abzubilden, ohne in die typisch idyllisierende Bildsprache der Landmagazine abzugleiten. Das Leben der Bäuerin ist eben ein „echtes Leben“.

Fazit: Ein inspirierendes und schönes Buch, in dem es nicht nur um den Garten geht.

Ulla Lachauer: Der Garten meines Lebens. Die Geschichte der Sesterhof-Bäuerin. Ulmer Verlag 2014. ISBN 978-3-8001-8259-6. € 24,90

Das Lexikon der alten Gemüsesorten

14. August 2014

Ein dicker, schwerer Wälzer: Die Schweizerin Marianna Serena und der Österreicher Michael Suanjak – beide schon lange in Sachen Sortenerhalt bei Pro Specia Rara und Arche Noah aktiv - haben sich mit einigen Co-Autoren zusammen getan, um eine umfangreiche Enzyklopädie traditioneller Gemüsesorten zu verfassen. Herausgekommen sind umfangreiche und sorgfältige Sortenbeschreibungen, die „Muttelibohne“, „Znaimer“ und „Ultimus“ vor dem Aussterben bewahren sollen. Bebildert wurde das umfassende Werk mit appetitanregenden Fotos von Beat Brechbühl und Franca Pedrazzetti.

66 Gemüsearten – darunter wenig bekannte Spezialitäten wie Hirschhornwegerich, Kerbelrübe oder Zuckerwurzel – werden in fast 800 Sorten beschrieben. Die enorme Vielfalt wird besonders deutlich bei den Bohnen, denen fast 50 Buchseiten gewidmet sind. Aber auch Kartoffeln bekommen mit 40 Seiten und Tomaten mit 50 Seiten recht viel Platz eingeräumt. Selbst solche Gemüsearten, bei denen einem landläufig die Vorstellung von vielen Varianten fehlt, wie z.B. die Zucchini, werden immerhin in sechs Sorten beschrieben. Allerdings gibt es auch Gemüse, bei denen die Autoren weit hinter der bestehenden Vielfalt zurückbleiben, wie z.B. beim Brokkoli. Hier wäre es schön gewesen, wenn einige der vor allem in England verbreiteten Sprouting Brokkoli Sorten aufgetaucht wären, denn aufgrund ihrer Kultur über den Winter lassen sie sich als eines der ersten Gemüse im Frühjahr ernten. Auch beim Zuckermais bleibt die Beschreibung von nur zwei gelben Sorten enorm hinter der bestehenden Vielfalt zurück.

Auffällig ist die Auswahl der vorgestellten Sorten, die zum überwiegenden Teil aus der Schweiz, Österreich und Süddeutschland stammen. Sogar die Bezeichnung der Arten im Inhaltsverzeichnis hat diese Prägung: Dort liest man von „Rande“ (Rote Bete) und „Nüsslisalat“ (Feldsalat). Typisch norddeutsche Sorten wie z.B. der mannshohe Grünkohl „Ostfriesische Palme“ werden seltener beschrieben. Das ist schade, da gerade Sorten für den Hausgarten über lange Jahre auch an regionales Klima angepasst worden sind und von daher die Kultur nicht überall gleichermaßen erfolgreich sein wird. Für eine zweite Auflage wäre der Blick in den Norden wünschenswert.

Neben den detaillierten Beschreibungen der einzelnen Sorten, ihrer Herkunft und ihrer traditionellen Anbauregion sowie aktuellen Bezugsquellen, findet man in jedem Kapitel zu einer Gemüseart weitere Infos über Geschichte, Botanik, Anbau, Verwendung in der Küche und Inhaltsstoffe. Aufgelockert werden die Gemüseportraits durch kleine Reportagen über Menschen, die sich in der Stadt und auf dem Land, als Selbstversorger oder Erwerbsgärtner dem Sortenerhalt verschrieben haben. Diese Reportagen hätten für meinen Geschmack gerne noch etwas ausführlicher sein dürfen.

Alles in allem ein faszinierendes, umfangreiches Buch für Gemüsefreunde und Liebhaber der Sortenvielfalt. Man bekommt sofort Lust, die eine oder andere der beschriebenen Sorten in der nächsten Saison selbst auszuprobieren. Dem Buch wünsche ich viele Leserinnen und Leser, damit die von unseren Ahnen erschaffene Vielfalt als ein wichtiges kulturelles Erbe gewertschätzt und erhalten wird. Aufgrund des doch recht hohen Anschaffungspreises vielleicht eine gute Idee für ein Weihnachtsgeschenk für leidenschaftliche Gemüsegärtner.

Marianna Serena, Michael Suanjak, Beat Brechbühl, Franca Pedrazzetti: Das Lexikon der alten Gemüsesorten. AT Verlag 2014, 59,90 Euro, ISBN: 978-3-03800-620-6

Der Obstgarten
Sortenvielfalt, Rezepte, Reportagen.

01. Juni 2014

Mal wieder eine Buchbesprechung in eigener Sache:

Im Frühjahr ist im BLV-Verlag mein Buch „Der Obstgarten“ erschienen. Es richtet sich an Gärtnerinnen und Gärtner, die Lust auf eigenes Obst haben. Da die meisten Obstarten längere Standzeiten haben, und es insbesondere bei Bäumen einige Jahre dauert, bis man einen vollen Ertrag hat, sollte die Wahl der Sorten gut durchdacht sein.

Mein Buch stellt gängige und weniger bekannte Obstarten vor, die hierzulande erfolgreich kultiviert werden können und gibt Tipps zur Pflanzung, Pflege, Ernte, Lagerung und Sortenwahl. Darunter sind Kernobst (Apfel, Birne, Quitte und viele Wildsorten) ebenso wie Steinobst und etliche Beerenobstarten. Mit Geschick und in geschützten Lagen lassen sich auch Exoten wie Kiwi, Maulbeere und Trauben anbauen. Darüber hinaus habe ich etliche etliche Anregungen für die Verwendung in der Küche zusammengestellt: Rezepte für leckere Obstkuchen und Torten, phantasievolle Desserts, Konfitüren, aber auch herzhafte Zubereitungsweisen wie Blattsalat mit Erdbeeren oder eine Birnen-Käse-Quiche haben ihren Platz.

In vier Reportagen gebe ich einen Einblick in die Gärten leidenschaftlicher Obstfreunde: Ich besuchte einen Pomologen, der fast 200 Birnensorten in seinem ländlichen Selbstversorgergarten erhält; einen Professor, der einen Weinberg auf dem Unigelände angelegt hat; ein Ehepaar, das sich rund ums Jahr selbst mit Obst und Gemüse aus dem Garten versorgt und noch andere mehr.

Karen Meyer-Rebentisch: Der Obstgarten. Sortenvielfalt, Rezepte, Reportagen
BLV-Verlag 2014, 168 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 978-3-8354-1242-2

Altes Wissen aus dem Klostergarten. Bruder Hilarius und seine Pflanzengeheimnisse.

8. Mai 2014

Dass Klöster ein wesentlicher Ort für die Entwicklung und Bewahrung von Gartenkultur sind und insbesondere der Anbau von Nutzpflanzen eine große Rolle spielt, ist bekannt. So ist es eine schöne Idee des BLV-Verlages, tradiertes Gärtnerwissen aus dem Erfahrungsschatz eines Mönches und passionierten Gärtners zu veröffentlichen. Bruder Hilarius lebt seit Jahrzehnten im Kloster Maria Laach und gärtnert dort unter den rauen klimatischen Gegebenheiten der Vulkaneifel.

Und tatsächlich sind die Einblick in das Klosterleben interessant zu lesen, besonders die historischen Rückblicke in Zeiten, da die landwirtschaftlichen Flächen nicht nur für die Selbstversorgung, sondern für eine umfangreiche Produktion zum Verkauf beackert worden sind. Lebten damals noch etwa 120 Mönche im Kloster, so ist deren Zahl auf mittlerweile etwa 50 geschrumpft. Viele von ihnen sind im höheren Alter, so dass die Kräfte für die Gartenarbeit nicht mehr reichen. Längst sind Flächen verpachtet worden, Kräuter, Obst und Gemüse werden nur noch für den Eigenbedarf gezogen. Bestand hat die klostereigene Gärtnerei mit einem großen Staudenangebot, in der ein 18-köpfiges Team arbeitet – viele davon kommen von außen.

Geschichten aus dem Klosterleben und wissenswertes aus dem Garten wechseln sich in dem Buch ab und machen es damit locker lesbar. Manchmal aber habe ich den Eindruck, dass zuviel hineingepackt wurde. So reichen die Informationen über den Anbau einzelner Obst- und Gemüsearten nicht aus, wenn nicht schon Basiswissen vorhanden ist. Bisweilen bleibt das Buch zu oberflächlich, wenn z.B. im Abschnitt Wintergemüse Topinambur und Lauch aufgeführt werden, der Winterklassiker Pastinake aber unerwähnt bleibt. Auch Mangold wird dort für den Anbau im Winter empfohlen – dabei vertragen fast alle Mangoldsorten gar keinen Frost. Von der Winterheckezwiebel heißt es, das Grün könne über die komplette kalte Jahreszeit hinweg geerntet werden – bei mir zieht dieses Gewächs jedes Jahr im Spätherbst ein und treibt erst im Frühjahr wieder aus. Solche Ungereimtheiten sind ärgerlich und mindern den positiven Gesamteindruck des Buches.

Oftring / Matthias Alter / Bruder Hilarius / Ferdinand von Luckner Hg. Heike Boomgaarden: Altes Wissen aus dem Klostergarten Bruder Hilarius und seine Pflanzgeheimnisse. ISBN 978-3-8354-1214-9 29,99 Euro

Geliebte Küchengärten
Eine Reise durchs Schlaraffenland

8. April 2014

Küchengarten ist nicht gleich Küchengarten. Wie groß die Vielfalt ist, wird in diesem Buch deutlich. Die Journalistin Christa Hasselhorst hat Gärtnerinnen und Gärtner besucht, denen der Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern ganz besonders am Herzen liegt. In 25 kleinen Porträts erzählt sie von Lust und Leidenschaft am alltäglichen und seltenen Gemüse, von der Philosophie des Pflegens und Bewahrens einer alten, oft familiären Tradition des eigenen Nutzgartens. Die renommierte Gartenfotografin Ursel Borstell hat Stimmung und Vielfalt der so unterschiedlichen Gärten in ihren Bildern eingefangen. Das Spektrum ist groß: Da ist der Gourmetgarten eines Sterne-Kochs in Brandenburg, der seine Erzeugnisse in der Restaurantküche veredelt. Ein Berliner Kleingarten dient ebenso der Selbstversorgung seiner Pächter wie ein Mecklenburgische Resthof, auf dem auch Schafe und Galloways zu Hause sind. Klostergärten mit ihrer jahrhundertealten Tradition im Anbau von Kräutern und Gemüse dürfen nicht fehlen, und auf einem 200 Jahre alten Hof im Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen hat eine Frau ganz allein ihren Traum vom Selbstversorger-Paradies verwirklicht. Selbst die raue Witterung auf ihrem 800 Meter hoch gelegenen Bergbauernhof hält ein gemüsebegeistertes Ehepaar nicht davon ab, den vor 100 Jahren angelegten Bauerngarten der Familie fast unverändert weiter zu bewirtschaften.

So unterschiedlich die Gärten auch sind, so haben sie doch eines gemeinsam: Ihre Besitzer werden immer wieder neu für ihre Arbeit belohnt mit dem unvergleichlichen Duft und Aroma der frischen Ernte und der faszinierenden Geschmackvielfalt, die es so nirgends zu kaufen gibt. Einige von ihnen haben der Autorin Lieblingsrezepte verraten, die zum Nachkochen verführen sollen.

Mir gefällt das Buch sehr gut, es lädt dazu ein, im Betrachten der Fotos zu schwelgen und die eine oder andere Anregung für den eigenen Nutzgarten zu gewinnen. Für Gemüse-Anfänger, die handfeste Informationen zum Anbau benötigen, ist dieses Buch aber nicht geeignet, denn es ist kein Ratgeber. Die wenigen in den Reportagen untergebrachten Tipps der Gärtner erscheinen mir ein wenig aufgesetzt, jedenfalls ist ihr Nutzwert nicht sehr hoch. Und wenn ich gerade beim Kritisieren des insgesamt sehr gelungenen Buches bin: Ich hätte mir auch ein paar Einblicke in etwas weniger perfekte Gärten gewünscht, z.B. einen Besuch bei einem großstädtischen Gemeinschaftsgarten oder bei einem Kleingärtner der alten Schule. Die Ästhetik der Gartengestaltung als Auswahlkriterium stand dem wohl entgegen. Schade, denn auch diese, noch mehr am Nutzen bzw. am gemeinsamen Tun interessierten Gärtner, hätten mit ihrer Version des geliebten Küchengartens noch zur Vielfalt beitragen können.

Geliebte Küchengärten. Eine Reise durchs Schlaraffenland. Christa Hasselhorst, Ursel Borstell. 2014. 180 S., 221 Farbfotos, geb. mit SU. ISBN 978-3-8001-7839-1. € 29,90

Garten-Suppen
Vom Beet in den Kochtopf

16. Oktober 2013

Wieder mal eine Buchbesprechung in eigener Sache:

Suppen sind immer willkommen: Sie wärmen gut durch und sind schnell und unkompliziert zubereitet. Sie lassen sich einfach auch für viele Besucher kochen und bleibt etwas übrig, kann man es unproblematisch einfrieren und hat ein schnelles Essen in petto.

In meinem neuen Buch „Garten-Suppen“ stelle ich 48 Rezepte vor, deren Grundzutat frisches Gemüse aus dem Garten (oder auch mal vom Markt) ist. Das kommt besonders gelegen, wenn die Ernte groß ausfällt und einem die Ideen ausgehen, was man mit dem Gemüse denn alles anstellen könnte. Unter den Rezepte sind modern abgewandelte Klassiker wie Zwiebelsuppe oder Tomatensuppe, aber auch raffinierte Kreationen wie eine Linsensuppe mit gebratenen Auberginen oder ein Fenchel-Bohnen-Topf mit Oliven und Fetakäse.

Die Rezepte passen für viele Anlässe: Einige lassen sich quasi aus dem Stand nachkochen, weil man die Zutaten sowieso im Garten und Vorratsschrank hat – diese sind auch für Anfänger am Herd leicht umzusetzen. Andere sind etwas aufwändiger, erfordern im Vorfeld einen Einkaufsgang und bereiten schließlich ein nicht alltägliches Geschmackserlebnis wie die Topinambur-Rahmsuppe mit Pilzen oder das Kresse-Süppchen mit Fischnockerln. Zu vielen Rezepten gebe ich Anregungen, wie sie sich abwandeln lassen.

Schließlich gibt es zu jedem vorgestellten Gemüse einige Ratschläge für die erfolgreiche Kultur im Garten, zur richtigen Ernte und Lagerung.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Buch ein schönes Weihnachtsgeschenk sein könnte für Gartenfreunde, Selbstversorger und Menschen, die einfach gerne mit guten frischen Zutaten kochen.

Karen Meyer-Rebentisch: Garten-Suppen. Vom Beet in den Kochtopf. BLV Verlag München, ISBN 978-3-8354-1157-9. 19,99 Euro.

Die Vielfalt kehrt zurück
Alte Gemüsesorten nutzen und bewahren

1. September 2013

Dass das kulturelle Erbe unserer Vorfahren nicht nur aus Bach und Beethoven besteht, sondern auch aus bunten Beten und blauen Kartoffeln, hat sich mittlerweile schon herumgesprochen. Immer mehr Gärtnerinnen und Gärtner interessieren sich dafür, alte Sorten kennen zu lernen und auch zu erhalten.

Genau für solche Liebhaber und die, die es noch werden wollen, hat Ina Sperl ein wunderschönes Buch geschrieben. Sie ist quer durch die Republik auf die Reise gegangen und hat Menschen besucht, denen der Erhalt seltener, oftmals regionaler Sorten ein Anliegen ist. Denn das ist auch klar: Sortenerhalt funktioniert nur mit Gärtnern, die eben diese Sorten anbauen und damit immer wieder dem „echten Leben draußen“ aussetzen. Saatgut, das in Tiefkühllagern konserviert wird, wie es auf Spitzbergen in einem ambitionierten Projekt geschieht, kann sich nicht den wandelnden Umwelteinflüssen anpassen.

Wie gut also, dass es Menschen gibt, die Johannislauch oder Ahrtaler Köksje anbauen und meistens ja noch viel mehr als diese eine Sorte. Sie haben Ina Sperl erzählt, wie sie gärtnern, warum ihnen der Erhalt wichtig ist, welche Geschichte sich mit der jeweiligen Sorte verbindet – manchmal ist das spannend zu lesen wie ein Krimi. Aber auch handfeste Kulturempfehlungen werden geliefert, so dass man als Leser schnell einschätzen kann, ob die eine oder andere Sorte auch für den eigenen Garten in Frage kommt. Ein Lieblingsrezept der Vielfaltsgärtner beantwortet jeweils die Frage, was sich denn leckeres aus Baumspinat oder Pastinaken zubereiten lässt.

So macht das Buch auf ganzer Linie Lust, es selbst auch einmal zu probieren mit der einen oder anderen Gemüsesorte, die sich garantiert nicht im Supermarkt finden lässt. Das verspielte fröhliche Layout trägt seinen Teil dazu bei, ebenso wie die Fotos von Bigi Möhrle und Niels Stappenbeck, die lebensnahe Einblicke in den Gärtneralltag der 15 Erhalter gewähren. Abschließend gibt es einen Adressteil mit Verweisen zu Einzelpersonen, Vereinen und Initiativen, die sich im Sortenerhalt engagieren.

Ina Sperl: Die Vielfalt kehrt zurück. Alte Gemüsesorten nutzen und bewahren. Ulmer Verlag 2013, 176 Seiten, ISBN 978-3800178988, 24,90 Euro.

Blaue Schweden. Grüne Zebra. Roter Feurio. Alte Sorten neu entdeckt. Das ProSpecieRara Kochbuch.

15. Mai 2013

Die Bezeichnung „Kochbuch“ im Untertitel ist sehr bescheiden gewählt. „Blaue Schweden...“ ist viel mehr. Es ist zugleich Warenkunde, es entführt in die Welt der Sortenvielfalt und macht Appetit auf bewusstes Essen, auf Slow Food.

In der Einleitung beschreibt Philipp Holzherr, Gemüseexperte beim Schweizer Verein ProSpecieRara, warum sich die Stiftung seit mehr als 30 Jahren dafür einsetzt, gefährdete Nutztierrassen und standortspezifische Kulturpflanzen zu bewahren. Es geht natürlich darum, ein von unseren Vorfahren geschaffenes kulturhistorisches Erbe und die genetische Vielfalt in Fauna und Flora zu bewahren, aber es geht schlichtweg vor allem um Genuss!

Und Genuss bietet auch das Buch. Es ist dick, großformatig, ja opulent!Ein Buch, das einen dazu bringt, einen Gang runter zu schalten. Zu schmökern, zu stöbern, wunderschön fotografierte Bilder anzusehen, der einen oder anderen Geschichte zu lauschen und sich all die Köstlichkeiten vorzustellen, die im Rezeptteil beschrieben werden. Wer jemals gedacht hat, dass der Verzehr regional erzeugter saisonaler Lebensmittel etwas mit Verzicht und Selbstkasteiung zu tun hat und zu langweiligen Speisefolgen führt, wird hier eines besseren belehrt. Es wird üppig aufgetragen und die Vielfalt ist groß.

Durch die Jahreszeiten geleiten den Leser Geschichten und Anekdoten aus dem Garten und der Küche des Hospezi, eines Selbstversorgerhofes mit Hotel und Restaurant auf 1000 Meter Höhe. Dort wirtschaftet das Ehepaar Weber seit 13 Jahren nach ökologischen Regeln für sich und ihre Gäste. Neben den vielen Tipps für die Verwendung der Erzeugnisse in der Küche kommen auch Ratschläge zum gärtnerischen Anbau, zu Lagerung und Konservierung mit klassischen Methoden nicht zu kurz. Und damit man nicht immer das ganze dicke Buch mit in den Garten nehmen muss, hat der Verlag eine herausnehmbare Saisontabelle mit kurzen Anbautipps beigelegt. Sehr praktisch!

Nun zu einer unerfreulichen Sache: Mit diesem wunderschönen Buch verhält es sich wie mit guten Lebensmitteln. Für billig ist es nicht zu haben. Es kostet stolze 56,- Euro. Aber ich sehe das so: Wenn ich einmal zu zweit essen gehe, bin ich mindestens dasselbe Geld los. Mit diesem Buch aber kann ich mich immer wieder hinsetzen, an der Vielfalt der besonderen alten Sorten freuen und das eine oder andere der raffinierten Gerichte nachkochen. Und schon hat sich die Anschaffung gelohnt.

Martin Weiss, Albi von Felten: Blaue Schweden. Grüne Zebra. Roter Feurio. Alte Sorten neu entdeckt. Das ProSpecieRara Kochbuch. 336 Seiten, 450 Farbfotos, 23 cm x 30 Aarau. München 2012. ISBN: 978-3-03800-729-6

Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte. Goldene Regeln für gute Ernährung.

21. April 2013

Das kleine Büchlein von Michael Pollan bietet einen amüsanten und kurzweiligen Streifzug durch die Welt des Essens. Dazu tragen nicht zuletzt die wunderschönen Illustrationen der Künstlerin Maira Kalman bei, die mal fröhlich, mal ein bisschen sentimental und fast immer humorvoll Menschen beim Essen oder der Zubereitung von Speisen zeigen.

Und damit unterstützen die hübschen Bilder die Kernaussage von Autor Pollan: Gutes und gesundes Essen ist eine ganz einfache Sache. Jeder kann es. Es braucht keine 100.000 Theorien und Empfehlungen wie „Low carb“ oder „5 mal täglich“ oder „wenig tierisches Fett“ oder wie auch immer die aktuellen Ratschläge der Ernährungswissenschaftler lauten. Denn eigentlich wissen die Menschen aus Erfahrung, was ein gutes Essen ausmacht. Zumindest wussten unsere Großmütter es noch, die wiederum von ihren Müttern und Großmüttern gelernt hatten, worauf bei Einkauf und Zubereitung von Speisen zu achten ist. Und auch die hergebrachten Regeln, nach denen am Tisch und in Gemeinschaft gegessen wird, machen durchaus ihren Sinn.

So kommen die Leitsätze von Pollan daher wie der viel zitierte gesunde Menschenverstand: „Essen Sie richtige Mahlzeiten.“ Oder: „Essen Sie, wenn Sie Hunger haben, und nicht, wenn Sie sich langweilen.“ Die Pollanschen Regeln sind nachvollziehbar und unmittelbar einleuchtend, deshalb muten sie fast banal an. Das sind sie aber nicht, wie folgendes Beispiel erkennen lässt: „Essen Sie Tiere, die selbst gut gegessen haben.“ Das ist logisch, und dennoch kauft die Mehrheit der Verbraucher lieber billiges Fleisch von Tieren, die schnell mit billigem industriellem Tierfutter gemästet wurden.

„Meiden Sie Produkte, die Zutaten enthalten, die sich kein normaler Mensch in die Speisekammer stellen würde.“ - oder haben Sie dort Xanthan und Ammoniumsulfat im Regal? Ohne mit dem Finger ständig auf die „böse Nahrungsmittelindustrie“ zu zeigen, macht Autor Pollan doch deutlich, dass Lebensmittel aus der Fabrik sowohl aus produktionstechnischen wie wirtschaftlichen Gründen häufig mit Zutaten angereichert sind, die uns nicht gut bekommen. Und eigentlich gibt es keinen Grund, solche Dinge zu essen, die im engeren Sinne keine Lebens-Mittel mehr sind sondern Kunstprodukte.

Wohl dem, der einen Garten hat und zumindest sein Obst und Gemüse von dort beziehen kann. Wer dann noch die Ratschläge von Pollan im Ohr hat, wenn er einkaufen geht, wird ganz automatisch zu solchen Lebensmitteln greifen, die uns gut tun und die auch unsere Großmutter gerne auf den Tisch gebracht hätte. Das schmeckt und ist gut für die Gesundheit.

Michael Pollan: Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte. Goldene Regeln für gute Ernährung. Antje Kunstmann Verlag, München 2013. 240 Seiten, illustriert von Maira Kalman, ISBN 978-3888978289. 18,- Euro.

Gewächshauser – Technik und Nutzen.

8. April 2013

Ein Gewächshaus ist eine große Investition. Kauft man nicht das Richtige, hat man viel Geld in den Sand bzw. in die Erde gesetzt. Auch wir träumen von einer Erweiterung der Anbaubauzeiten in den zeitigen Frühjahr und den späten Herbst. So habe ich mir das Buch „Gewächshauser – Technik und Nutzen“ von Jörn Pinske besorgt und sehr genau studiert. Für jemanden wie mich, die bisher von Gewächshauskultur keine Ahnung hatte, bietet es einen sehr guten Überblick über alles, was bei der Anschaffung und dem Betrieb zu beachten ist. Nach einer kleinen historischen Einführung geht es um die Wahl des richtigen Standortes, die Entscheidung für den passenden Typ (Anlehnhaus, Erdhaus, freistehendes Haus etc.) und die optimalen Materialien wie Holz, Alu oder Stahl bzw. Glas oder Kunststofffenster. Dann liefert der Autor Basisinformationen rund um den Aufbau, z.B. was beim Bau eines Fundaments zu beachten ist. Weiter geht es mit der Inneneinrichtung und der Art der Beheizung.

Nach diesen eher technischen Informationen geht es um den praktischen Betrieb: Welche Erde ist geeignet, wie soll bewässert werden, welche Pflanzenschutzmaßnahmen sind erforderlich. All dies wird gut verständlich und informativ beschrieben, so dass nach der Lektüre eine echte Entscheidungsgrundlage vorhanden ist, ob und welche Art von Gewächshaus für einen in Frage kommt. Von einem Eigenbau rät der Autor eher ab, wer solche Pläne hegt, sollte auf speziellere Literatur zurückgreifen.

Schließlich kommt der Autor direkt auf die verschiedenen Nutzungen zu sprechen, für die ein Gewächshaus Vorteile bringt wie die Anzucht von Gemüse- und Frühblühern, die Überwinterung von Kübelpflanzen und die Kultur von ganzjährig wärmliebenden Pflanzen wie Kakteen oder Orchideen. Bei diesem letzten Kapitel werden allerdings Gärtner, die sich bereits mit einer einen oder anderen genannten Kultur Erfahrungen gesammelt haben, kaum neue Informationen finden.

Zu haben bei Garten und Gabel: Gewächshäuser - Technik und Nutzen

Das ist Urban Gardening! Die neuen Stadtgärtner und ihre kreativen Projekte.

13. März 2013

Die Besprechung eigener Bücher hat ja etwas Anrüchiges an sich. Als Autorin und zugleich Betreiberin dieser Webseite bin ich da mal wieder in einer Zwickmühle. Denn natürlich möchte ich gerne die Chance nutzen, möglichst viele Leserinnen und Leser für mein neuestes Werk zu gewinnen, zumal sich ja gerade hier auf dieser Seite solche Menschen tummeln, die zu meiner weiteren Zielgruppe gehören.

Also versuche ich es mal mit einer möglichst sachlichen Inhaltsbeschreibung ohne allzuviel Selbstbeweihräucherung: Im letzten Sommer bin ich in der ganzen Republik unterwegs gewesen auf der Spur des neuen Trends „Urban Gardening“. Ich war bei Leuten, die auf dem Rollfeld des ehemaligen Flugplatzes Tempelhof schiefe Hochbeet zusammengezimmert haben und darin Zucchini ziehen, bei den Gemeinschaftsgärtnern auf St. Pauli in Hamburg, die in Bäckerkisten auf einem Parkdeck gärtnern und in München beim Projekt "O'pflanzt is", das es sich zum Prinzip gemacht hat, möglichst nur mit recycelten Materialien zu arbeiten.

Ich war zu Gast bei mehreren interkulturellen Gärten in Berlin, Göttingen und Lübeck – die teils schon lange aktiv, teils gerade erst in der Stadtphase waren – und habe mir erzählen lassen, wo die Freuden und die Probleme der multinationalen Gartengemeinschaften liegen.

Mein Weg führte mich zu den neuen Selbsternte-Initiativen, wo Interessierte für eine Saison eine fast vollständig eingesäte Parzelle mieten, pflegen und beernten können – sozusagen eine Weiterführung des Biokisten-Gedankens. Und ich habe Menschen kennen gelernt, die eine solidarische Beziehung zwischen den Erzeugern landwirtschaftlicher Produkte und den Verbrauchern in den Städten schaffen wollen: Stichwort CSA und Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften.

Damit nicht genug, habe ich umweltpädagogische Projekte besucht, wie das Ökotop in Düsseldorf oder den Jugendnaturschutzhof Landwege in Lübeck, habe Kinderbauernhöfe in Berlin besichtigt und über Bohnenstange in den Parks der Essbaren Stadt Andernach gestaunt.

Immer wieder bin ich unterwegs auf Menschen gestoßen, die alleine oder in kleinen Gruppen die Verantwortung für eine Baumscheibe, eine verödete Verkehrsinsel oder sonstige kleine Brachen übernommen haben und dort kleine grün-bunte Inseln im Grau der Stadt schaffen.

All das und noch einiges mehr habe ich in meinem neuen Buch in Texten und Interviews und mit vielen Fotos dokumentiert. Schließlich muss ich noch zugeben: In Wirklichkeit ist das Gärtnern in der Stadt natürlich gar nicht so neu, auf Balkonen und in Haus- und Kleingärten wurde schon immer gepflanzt, gegossen und geerntet und auch der erste Guerilla-Gärtner streifte mit seinem Zimbelkraut-Samen bereits gegen Endes des 19. Jahrhunderts durch Berlin. Und so gehört auch die historische Seite des Stadtgärtnerns mit zu den Themen meines Buches.

Karen Meyer-Rebentisch: Das ist Urban Gardening – die neuen Stadtgärtner und ihre kreativen Projekte. BLV Verlag München 2013. ISBN 978-3-8354-1077-0, 176 Seiten, 19,95 Euro.

Zu haben bei Garten und Gabel: Das ist Urban Gardening!

Nutzgärten gestalten
Das große Ideenbuch

11. November 2012

Eigenes Gemüse anzubauen, liegt so richtig im Trend. Für manch einen ambitionierten Gärtner mag der Nutzpflanzenanbau aber mit einer ästhetischen Gartengestaltung nur schwer vereinbar scheinen. Um mit dieser Vorstellung aufzuräumen, ist ein in der Gartenszene prominentes Team zusammen gekommen und hat ein aufwändiges Buch erarbeitet: Die Bilder stammen von den beiden renommierten Fotografen Jürgen Becker und Marianne Majerus, für den Text verantwortlich sind die „Landlust“-Autorinnen Renate Tegtmeyer und beratend Christa Huchzermeyer.

Bereits die opulente Gestaltung des Bildbandes im fotografenfreundlichen Querformat sorgt für Freude, da das klassische Kleinbildformat hier nicht beschnitten werden musste und die meist bezaubernden Gartenansichten gebührenden Raum finden. Die Fotos sind erwartungsgemäß erstklassig, wobei die Aufnahmen von Jürgen Becker fast immer an der ganz besonderen Lichtstimmung zu erkennen sind. In die Gartenansichten eingestreut sind Portraitaufnahmen von einzelnen Gemüsen oder Kräutern und Beetansichten, aber auch etliche Blüten- und Staudenfotos. Allerdings muss auch ganz klar gesagt werden, dass auf etlichen Fotos gar keine oder nur recht versteckte oder vereinzelte Nutzpflanzen zu sehen sind. Einige der im Textteil beschriebenen Gemüsearten wie Steckrüben oder Puffbohnen sind auf den Bildern nicht zu finden.

Ein Ratgeber ist das Buch ganz sicher nicht, auch wenn die Autoren wirklich fast jeden Aspekt des Nutzpflanzenanbaus berühren – aber nicht eben vertiefen und z.B. Gurke als „Gemüse im Herbst“ auch mal etwas deplaziert ist. In diesem Bildband geht es vor allem um Anregungen und darum zu zeigen, dass Zier- und Nutzpflanzenanbau kein Widerspruch sind, sondern sich wunderbar ergänzen können. Die vorgestellte Vielfalt ist inspirierend, es finden sich ebenso streng formal gestaltete Gärten wie fröhlich-bunte Bauerngärten.

Alles in allem ist das Ideenbuch „Nutzgärten gestalten“ empfehlenswert für Gärtnerinnen und Gärtner mit Vorkenntnissen, die es schätzen, in prachtvollen Bilder zu schwelgen und sich immer wieder gerne mit Fragen der Gartengestaltung beschäftigen. Ein Anfänger im Nutzpflanzenbau sollte sich zusätzlich einen klassischen Ratgeber besorgen.

Renate Tegtmeyer (Text), Jürgen Becker und Marianne Majerus (Fotos): Nutzgärten gestalten. Das große Ideenbuch. ISBN 978-3-938100-79-0, 39,90 EUR (D), 53,90 CHF, 41,10 EUR (A), 204 Seiten